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Zerreißproben als Chance

1. Altes Testament

1.Buch Samuel Kapitel 24,

Verse 4 – 22

Saul wählte 3.000 Elitesoldaten aus ganz Israel aus und machte sich auf die Suche nach David und seinen Leuten. Als sie bei den eingezäunten Schafweiden in der Nähe des Steinbockbergs vorbeikamen und eine Höhle fanden, ging der König hinein, um seine Notdurft zu verrichten. Ausgerechnet im hintersten Winkel dieser Höhle hatten David und seine Männer sich versteckt.

«Das ist die Gelegenheit, David!» flüsterten einige von ihnen ihrem Anführer zu. «Der Herr hat doch versprochen, dir eines Tages deinen Feind auszuliefern, damit du dich an ihm rächen kannst. Jetzt ist es soweit!» Da schlich sich David nach vorne und schnitt unbemerkt einen Zipfel von Sauls Mantel ab.

Doch er hatte ein schlechtes Gewissen dabei, und sein Herz klopfte wild.

Als er wieder zu seinen Männern kam, sagte er: «Der Herr bewahre mich davor, meinem König etwas anzutun, denn er ist vom Herrn ernannt worden! Nein, niemals werde ich Saul töten, denn der Herr hat ihn zum König eingesetzt.»

David verbot seinen Männern, sich an Saul zu vergreifen. Nach einer Weile verließ Saul die Höhle wieder, um seine Suche fortzusetzen.

David ließ ihm einen kleinen Vorsprung, trat dann zum Ausgang und rief: «Mein Herr und König!» Saul drehte sich um; David verneigte sich tief vor ihm und warf sich zu Boden.

Dann begann David zu reden: «Warum glaubst du dem Geschwätz einiger Leute, die behaupten, ich wolle dich ins Verderben stürzen?

Heute kannst du mit eigenen Augen sehen, daß es nicht wahr ist! Vorhin in der Höhle hat der Herr dich mir ausgeliefert. Meine Leute wollten mich dazu verleiten, dich umzubringen. Doch ich habe dich verschont. Ich dachte: 'Niemals kann ich meinem König etwas antun, denn er ist vom Herrn selbst eingesetzt worden.'

Schau, mein Vater, was ich hier in der Hand halte: einen Zipfel deines Mantels! Den habe ich abgeschnitten, anstatt dich zu töten. Glaubst du jetzt, daß ich kein Verräter bin und nichts Böses gegen dich im Schilde führe? Ich habe dir nichts getan, und trotzdem verfolgst du mich und willst mich beseitigen.

Der Herr soll Richter sein und entscheiden, wer von uns beiden im Recht ist. Er soll dich für das Unrecht bestrafen, das du mir antust. Ich aber werde dir kein Haar krümmen.

Schon ein altes Sprichwort sagt: 'Nur ein Gottloser begeht Verbrechen.' Nein, ich werde dir kein Haar krümmen.

Wer bin ich schon, König von Israel, daß du mich verfolgst? Du jagst einen völlig unbedeutenden Mann!

Der Herr soll unser Richter sein. Er soll entscheiden, wer von uns im Unrecht ist. Möge er mein Fürsprecher sein und mir zu meinem Recht verhelfen.»

Da begann Saul laut zu weinen und rief: «Bist du es wirklich, mein Sohn David?

Du bist ein besserer Mensch als ich. Du bist gut zu mir, obwohl ich dich schlecht behandelt habe.

Gerade heute hast du wieder bewiesen, wie großmütig du bist: Obwohl der Herr mich dir ausgeliefert hat, hast du mich nicht umgebracht.

Wer läßt schon seinen Feind unbehelligt laufen, wenn er ihn einmal in seiner Gewalt hat? Der Herr möge dich für deine Großzügigkeit belohnen!

Ich weiß genau, daß du König sein wirst und deine Familie in Israel für alle Zeiten regieren wird.

Darum bitte ich dich: Schwöre mir vor dem Herrn, daß du meine Familie nicht auslöschen wirst. Bitte laß nicht zu, daß mein Geschlecht ausstirbt.»

 

2. Altes Testament

Jona Kapitel 3, Verse 1 – 3

und 10; Kapitel 4, 1 – 11

Zum zweiten Mal sprach der Herr zu Jona: «Geh in die große und mächtige Stadt Ninive, und verkünde den Menschen dort die Botschaft, die ich dir auftrage!»

Diesmal machte sich Jona auf den Weg nach Ninive, wie der Herr es ihm befohlen hatte. Die Stadt war so groß, daß man drei Tage brauchte, um sie zu durchqueren.

Gott sah, daß die Menschen von ihren falschen Wegen umkehrten. Da ließ er das angedrohte Unheil nicht über sie hereinbrechen.

Jona aber ärgerte sich sehr darüber, voller Zorn

betete er: «Ach Herr, habe ich das nicht gleich geahnt, als ich noch zu Hause war? Darum wollte ich ja auch so rasch wie möglich nach Tarsis fliehen! Ich wußte es doch: Du bist ein gnädiger und barmherziger Gott. Deine Geduld ist groß, deine Liebe kennt kein Ende. Du läßt dich umstimmen und strafst dann doch nicht.

Herr, laß mich sterben, das ist besser als weiterzuleben!»

Aber der Herr erwiderte: «Ist es recht von dir, so wütend zu sein?»

Jona verließ Ninive. Östlich der Stadt machte er sich ein Laubdach und setzte sich in dessen Schatten nieder. Er wollte beobachten, was mit der Stadt geschehen würde.

Da ließ der Herr eine Rizinusstaude über Jona emporwachsen. Sie sollte ihm noch mehr Schatten geben und seinen Mißmut vertreiben. Jona freute sich sehr über die Pflanze.

Doch am nächsten Morgen kurz vor Sonnenaufgang ließ Gott einen Wurm die Wurzeln des Rizinus zerfressen, und die Staude wurde welk und dürr.

Als die Sonne aufging, schickte Gott einen glühend heißen Ostwind. Die Sonne brannte Jona so auf den Kopf, daß er erschöpft zusammenbrach. Er wünschte sich zu sterben und seufzte: «Tot sein ist besser als weiterleben!»

Da fragte ihn Gott: «Ist es recht von dir, wegen dieser Rizinusstaude so zornig zu sein?» Jona antwortete: «Mit vollem Recht bin ich wütend, am liebsten wäre ich tot!»

Der Herr erwiderte: «Du hast dich mit dieser Staude keinen Augenblick abmühen müssen, nichts brauchtest du für sie zu tun. In einer Nacht ist sie gewachsen, und in der nächsten ging sie zugrunde. Trotzdem hättest du sie gerne verschont.

Ich aber sollte Ninive nicht verschonen, diese große Stadt, in der mehr als 120.000 Menschen leben, die Gut und Böse nicht unterscheiden können, und dazu noch so viele Tiere?»

3. Altes Testament

Micha Kapitel 7, Verse 1 – 7

Ich bin verzweifelt wie einer, der im Herbst nach der Ernte hungrig durch die Weinberge streift oder im Frühsommer nach Feigen sucht und alles abgeerntet findet. Im ganzen Land gibt es keine rechtschaffenen Menschen mehr, keiner fragt mehr nach Gott. Einer lauert dem anderen auf und legt ihn herein, so wie der Jäger sein Wild ins Fangnetz treibt. Sie gehen sogar über Leichen.

Sie haben nur Böses im Sinn, und darin sind sie wahre Meister. Die führenden Männer lassen sich bestechen, die Richter sind käuflich, und die Mächtigen entscheiden aus reiner Willkür. So arbeiten sie alle Hand in Hand.

Selbst die Besten und Ehrlichsten unter ihnen sind wie Dornhecken, sie richten nur Schaden an. Aber der Tag kommt, an dem euch die Strafe trifft - die Propheten haben es euch angekündigt. Dann werdet ihr mit eurer Weisheit am Ende sein!

Trau keinem einzigen Menschen mehr, nicht einmal dem besten Freund! Sei verschwiegen wie ein Grab, auch bei der Frau in deinen Armen!

Denn der Sohn achtet den Vater nicht mehr, die Tochter lehnt sich gegen die Mutter auf und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter. Die schlimmsten Feinde sind in der eigenen Familie!

Doch ich verlasse mich auf den Herrn, ich warte auf seine Hilfe. Ja, mein Gott wird mich erhören!

 

4. Neues Testament

Matthäus Kapitel 10,

Verse 16 – 37

«Ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe. Seid klug wie Schlangen, aber ohne Verschlagenheit wie Tauben. Nehmt euch in acht vor den Menschen! Sie werden euch vor Gericht bringen, und in den Synagogen wird man euch auspeitschen.

Um meinetwillen werdet ihr vor Machthabern und Königen verhört werden. Dort werdet ihr meine Botschaft bezeugen, denn alle Völker müssen von mir erfahren.

Wenn ihr verhört werdet, sollt ihr euch nicht darum sorgen, was ihr zu sagen habt! Denn zur rechten Zeit wird Gott euch das rechte Wort geben.

Nicht ihr werdet es sein, die Rede und Antwort stehen, sondern der Geist eures Vaters im Himmel wird durch euch sprechen.

Ein Bruder wird den anderen dem Henker ausliefern. Väter werden ihre eigenen Kinder anzeigen. Kinder werden gegen ihre Eltern vorgehen und deren Hinrichtung veranlassen.

Alle Welt wird euch hassen, weil ihr euch zu mir bekennt. Aber wer bis zuletzt durchhält, der wird gerettet.

Wenn man euch in der einen Stadt verfolgt, dann flieht in eine andere. Ich versichere euch: Noch ehe ihr meinen Auftrag in allen Städten Israels ausgeführt habt, wird der Menschensohn wiederkommen.

Der Schüler steht nicht über seinem Lehrer, und ein Diener hat es nicht besser als sein Herr.

Sie können zufrieden sein, wenn es ihnen genauso geht wie ihren Lehrern und Herren. Wenn sie aber den Herrn des Hauses schon 'Teufel' genannt haben, was werden sie erst zu seinen Angehörigen sagen?» «Darum fürchtet euch nicht vor denen, die euch bedrohen. Denn jetzt kommt bald die Zeit, in der die Wahrheit ans Licht kommt und die geheimsten Pläne bekannt werden.

Was ich euch im Dunkeln sage, das ruft am hellichten Tag laut hinaus! Was ich euch ins Ohr flüstere, das sagt aller Welt weiter!

Habt keine Angst vor denen, die nur den Körper, aber nicht eure Seele töten können! Fürchtet euch vor Gott, der Leib und Seele in der Hölle verderben kann.

Welchen Wert hat schon ein Spatz auf dem Dach! Trotzdem fällt keiner tot zur Erde, wenn es euer Vater nicht will.

Selbst die Haare auf eurem Kopf sind alle gezählt.

Darum habt keine Angst! Ihr seid Gott mehr wert als ein ganzer Spatzenschwarm.

Wer sich öffentlich zu mir bekennt, für den werde ich auch vor meinem Vater im Himmel eintreten.

Wer aber vor den Menschen nicht zu mir steht, für den werde ich auch vor meinem Vater im Himmel nicht eintreten.»