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|  Ursula Imhof, 56 Jahre, verheiratet, 1 Sohn, Beruf: kaufm. Sachbearbeiterin
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| Gegner alles Christlichen

"Ich bin, aber ich sollte nicht sein!", war mein Lebensmotto, das mich von meiner Geburt an (Dez.1944) begleitete. Mein Vater, der sich zu dieser Zeit in russischer Gefangenschaft befand, erfuhr erst nach zwei Jahren, dass - neben seiner Erstgeborenen - eine weitere kleine Tochter lebte. Und da er mit dieser Tatsache nicht umgehen konnte, lehnte er das Kind einfach ab.
Obwohl meine Eltern liebevolle Menschen waren, blieb ich der Fremdling in der Familie, der Außenseiter und Zuschauer, der das Schauspiel "heile Familie" nur von der Bühne her beobachten, doch selbst nicht mitspielen durfte. Ich fühlte mich wertlos und einsam, wusste aber auch instinktiv, dass es für mich lebensnotwendig war, mir meine eigene Welt aufzubauen.
Schon als kleines Mädchen ging ich oft in die Kirche, weil ich glaubte, dass ich in Jesus einen Leidensgenossen gefunden habe, der - ebenso wie ich - abgelehnt und verachtet wurde. Auch er war ein Ausgestoßener wie ich und litt unter seiner Einsamkeit. Was lag da näher, als dass wir uns gegenseitig trösteten?
Aber als ich älter wurde, reichte das nicht mehr aus. Plötzlich gab es für mich immer mehr Fragen als Antworten. Die "religiöse Einheitskost" durch Schule und Elternhaus befriedigte mich nicht, sondern machte mich rebellisch und ließ mich sogar zu einem leidenschaftlichen Gegner alles Christlichen werden.
Mit knapp 18 Jahren hörte ich von einer christlichen Jugendgruppe, in der ich auch meinen späteren Ehemann kennen lernte. Ich glaubte, diesen Leuten schnellstens die Augen über das wahre Leben öffnen zu müssen und ging deshalb zu einem Treffen. Dort hörte ich zum ersten Mal in meinem Leben, dass Gott mein Vater ist, dass ich von ihm gewollt bin und eine tiefe persönliche Beziehung zu ihm haben kann. Dennoch war ich fest davon überzeugt, dass dies sich unmöglich auf mich beziehen könne! Bestimmt war jeder Mensch damit gemeint, aber sicherlich nicht ich und wenn es Gott wirklich gab, dann war ich ihm versehentlich durch die Finger gerutscht. So dachte ich noch viele Jahre.
Und das waren überaus schwierige Jahre. In meiner Not las ich zwar manchmal in der Bibel, fand aber keinen rechten Zugang zu ihr. Erst im Alter von 36 Jahren, nach einer Zeit des Leidens und der Zweifel, begriff ich, dass Gott mein Vater ist und sehr wohl Interesse an mir hat, mich sogar über alles liebt. Endlich überwand ich mein Misstrauen und ließ mich vertrauensvoll auf ihn ein. Dies ist jetzt 20 Jahre her, aber ich habe nicht eine Sekunde lang bereut, mein Leben Gott in die Hände gelegt zu haben. Im Gegenteil, heute kommt mir die Zeit ohne ihn wie eine verlorene Zeit vor!
Gott hat meine Schuld getilgt, meine Wunden geheilt und arbeitet jeden Tag weiter an mir. Und mehr noch, Gott hat mir eine wunderbare Gabe gegeben, die ich für mich und für andere einsetzen darf: Ich schreibe, über mich und meine Mitmenschen, über Gott und meine Gefühle zu ihm. Ich schreibe Gedichte, Geschichten und Bücher. Sicherlich bin ich keine bedeutende Schriftstellerin, aber ich schreibe leidenschaftlich für meinen Gott, der es so gut mit mir meint. Denn über Gott gibt es soviel zu sagen, dass alle Bücher der Welt es nicht fassen können.
Jesus Christus ist für mich nicht mehr der Arme, Unverstandene, der ungerechterweise am Kreuz hängt und von einem kleinen Mädchen getröstet werden muss. Nein, ich weiß jetzt, dass er der Sohn Gottes ist, der sein himmlisches Reich verließ und Mensch wurde, um für mich zu sterben, damit ich leben darf. Ich liebe ihn und ich liebe Gott als meinen himmlischen Vater und lese täglich in seinem Wort. Und dabei staune ich immer wieder, was für wunderbare Entdeckungen ich in diesem unergründlichen Schatz machen darf.
Ich bin, weil Gott mich gewollt hat! ist heute mein Lebensmotto. Und das ist gut so!
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