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Anna Troost
19 J. jung,
Schülerin im Abitur

Mein Leben hat einen Sinn!

Bis ich 17 war, hatte ich keine Ahnung, worum es in der Bibel und im Glauben eigentlich geht. Hatte mir ja auch niemand erklärt.

Mit 17 habe ich mich – mehr aus eine Laune heraus – entschieden, als Austauschschülerin ein Jahr in den USA zu verbringen. Zunächst hat es mir auch super gefallen, aber dann gab es einige Probleme, und ich musste die Familie, die Schule und sogar den Staat wechseln. Das waren keine leichten sechs Wochen mit einigen Übergangsfamilien, aber eine Rückreise nach Deutschland kam für mich nicht in Frage. Letztendlich kam ich zu einer Familie in Alabama.

 

Diese Familie nahm mich mit in ihre Kirche. Zuerst fand ich es einfach nur lustig, weil ich da viele Jugendliche kennenlernte. Die ganze Sache mit Gott und Jesus war mir fremd. Ich habe es als Teil der amerikanischen Kultur angesehen. Mit anderen Worten: Für die Amerikaner ganz nett, aber nichts für mich.

Meine Gastschwester Emily hat mir in nächtelangen Diskussionen – na ja, ich habe eine Frage gestellt und sie hat dann geredet – von der Liebe Gottes und der Wahrheit, die in der Bibel steht, erzählt. Das mit der Liebe Gottes fand ich ja ganz schön (für die, die daran glauben), aber dass in der Bibel die Wahrheit steht? Das klang nicht sehr vernünftig, eher etwas überholt.

Also habe ich (weil ich ja nichts Besseres zu tun hatte) angefangen, fast jeden Abend ein bisschen in der Bibel zu lesen.

 

In dieser Zeit (so ca. einen Monat lang) las ich Dinge in der Bibel, die ich sowieso schon für wahr hielt, weil sie mit meinen Erfahrungen, Gefühlen und Gedanken übereinstimmten. Vielleicht stehen in diesem Buch doch gar nicht so uninteressante Sachen?

Na gut, aber das war alles nur Theorie für mich. Bis Silvester 2000/2001: Ich hatte eigentlich gar keine Lust, Silvester auf einer großen christlichen Veranstaltung in eine Baseballstadium zu feiern. Außerdem war es sehr kalt. Es gab viel Programm, so Theater und Musik und dann auch eine Predigt. Ich habe keine Ahnung, worum es in dieser Predigt ging. Aber zum Schluß hat der Prediger noch ein Gebet gesprochen, in dem es darum ging, mit Jesus eine Beziehung einzugehen. Wie fängt man eine Beziehung mit jemandem an, den man nicht sehen kann und noch nicht wirklich kennt? Keine Ahnung, aber ich weiß, dass Jesus in diesem Moment da war und ich wusste, dass ich mein ganzes Leben lang, ohne es zu wissen, nach ihm gesucht hatte. Ich wusste, Gott wird immer für mich da sein. Ein Vakuum in meinem Herzen, das ich durch nichts füllen konnte, war plötzlich übervoll. Mein Leben hat einen Sinn: Ich will alles tun um Jesus nachzufolgen und ihm immer ähnlicher werden. Als ich dieses Wissen hatte, habe ich versucht, meiner Jugendpastorin zu erzählen was passiert war. Ich hatte aber keine Worte (und schon gar nicht auf Englisch) um zu beschreiben, was da gerade passiert war. Das machte aber nichts, denn sie hat mich nur angesehen und wusste, was los war. Noch am nächsten Morgen, als wir als Jugendgruppe noch zusammen saßen, habe ich es mit der Hilfe meiner Jugendpastorin den anderen erzählt. Am liebstem hätte ich es der ganzen Welt erzählt, weil ich vor Glück einfach überschäumte.

Seitdem versuche ich immer mehr von Jesus zu lernen. In den USA hatte ich viele Gemeindemitglieder, die mir dabei geholfen haben. Aber dann kam der Tag der Rückreise. Ich habe mich schon auf mein zu Hause gefreut, aber ich wusste nicht, ob es in Mülheim eine Gemeinde gibt, in der ich weiter lernen und im Glauben wachsen kann. Ich hatte Angst, dass in Deutschland niemand so eine Erfahrung mit Gott gemacht hat und mich niemand verstehen würde. Als ich dann hier in Mülheim war, gab mir eine Freundin ein "Neues Testament für Mülheim". Meine erste deutsche Bibel, ich war voll aufgeregt und habe erst einmal ganz viele Stellen, die mir auf Englisch gefallen haben, auf deutsch nachgelesen. Vorne war ein Vorwort von Ekkehart Vetter und hinten stand eine kurze Beschreibung, wer und was die Christus Gemeinde ist. Das klang ja ganz gut, und am nächsten Sonntag habe ich mir den Gottesdienst angeschaut. Ich war echt begeistert.

 

Heute habe ich in der Christus-Gemeinde ein zweites zu Hause gefunden.

Wenn ich so zurückblicke, sehe ich die vielen kleinen und auch etwas größeren Schritte, die Gott mit mir gegangen ist, auch als ich noch gar nicht wusste, dass es ihn gibt. Ich bin Gott einfach nur sehr dankbar, dass ich das alles erleben durfte und ich freue mich auf alle die Schritte, die er mit mir und auch mit uns als Mülheimern noch gehen wird.