Glaube in der Krise

1. Altes Testament
Hiob Kapitel 16, 7 – 17;
Kapitel 17, 1 – 9 und 13 – 16;
Kapitel 38, 1 – 18;
Kapitel 40, 2 5 - ;
Kapitel 42, 2 – 6 und 12 – 17
«O Gott, du hast mir meine Kraft genommen, meine Familie hast du zerstört. Du hast mich gepackt - schon das soll meine Schuld beweisen! Meine Krankheit tritt als Zeuge gegen mich auf.
Gott ist mein Feind geworden, er knirscht mit den Zähnen, zerreißt mich im Zorn und durchbohrt mich mit seinen Blicken.
Auch die Menschen verbünden sich gegen mich. Sie reißen ihr Maul gegen mich auf und schlagen mir voller Hohn auf die Wange.
Gott hat mich bösen Menschen ausgeliefert; Gottlosen bin ich in die Hände gefallen.
Ich lebte in Ruhe und Frieden, aber Gott hat mich aufgeschreckt, mich am Genick gepackt und zerschmettert. Er hat mich zu seiner Zielscheibe gemacht,
seine Pfeile schießen auf mich zu. Erbarmungslos durchbohrt er meine Nieren, meine Galle tropft zu Boden.
Wunde um Wunde fügt er mir zu, wie ein Soldat rennt er gegen mich an.
In Trauerkleidung sitz' ich hier, mein Haupt bis in den Staub gebeugt.
Ich habe dunkle Ringe um die Augen, und mein Gesicht ist rot vom vielen Weinen,
obwohl ich kein Unrecht begangen habe und mein Gebet aus reinem Herzen kommt.»
«Meine Kraft ist gebrochen, meine Tage schwinden, und auf mich wartet nur das Grab.
Ich muß mit ansehen, wie man mich verspottet; von allen Seiten werde ich bedrängt.
O Gott, bürge du selbst für mich! Ich habe sonst keinen, der für mich eintritt!
Meinen Freunden hast du jede Einsicht verschlossen, darum wirst du sie nicht triumphieren lassen.
Sie gleichen jenem Mann im Sprichwort, der sein Vermögen an viele Freunde verteilt und seine eigenen Kinder hungern läßt.
Ich bin dem Spott der Leute preisgegeben, ja, man spuckt mir ins Gesicht!
Schmerz und Trauer haben mich fast blind gemacht; ich bin nur noch ein Schatten meiner selbst.
Darüber sind aufrichtige Menschen hell entsetzt; sie, die ein reines Gewissen haben, denken über mich: 'Wie gottlos muß der sein!'
Und doch gehen sie ihren geraden Weg unbeirrbar weiter; sie, die schuldlos sind, bekommen neue Kraft.
Ich habe nur noch das Grab zu erwarten; in der dunklen Welt der Toten muß ich liegen.
Das Grab werde ich bald als 'Vater' begrüßen. Die Verwesung nenn' ich 'meine Mutter, liebe Schwester'.
Wo ist meine Hoffnung geblieben, wo denn? Sieht jemand von ihr auch nur einen Schimmer?
O nein, auch sie versinkt mit mir im Tode, gemeinsam werden wir zu Staub!»
Dann aber redete Gott mit Hiob. Er antwortete ihm aus dem Sturm:
«Wer bist du, daß du meine Weisheit anzweifelst mit Worten ohne Verstand?
Tritt mir gegenüber wie ein Mann, und gib mir Antwort auf meine Fragen!
Wo warst du, als ich das Fundament der Erde legte? Sag es doch, wenn du so viel weißt!
Wer hat ihre Maße festgelegt und wer die Meßschnur über sie gespannt? Du weißt es doch, oder etwa nicht?
Worin sind die Pfeiler der Erde eingesenkt, und wer hat ihren Grundstein gelegt?
Damals sangen alle Morgensterne, und die Engel jubelten vor Freude.
Wer schloß die Schleusentore, um das Meer zurückzuhalten, als es hervorbrach aus dem Mutterschoß der Erde?
Ich hüllte es in Wolken und in dichtes Dunkel wie in Windeln;
ich setzte dem Meer eine Grenze, schloß seine Tore und Riegel
und sprach: 'Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter! Hier müssen sich deine mächtigen Wogen legen!'
Sag, hast du je das Tageslicht herbeigerufen und der Morgenröte ihren Weg gewiesen?
Sie faßt die Erde bei den Zipfeln und schüttelt die Übeltäter aus ihrem dunklen Versteck.
In ihrem Licht färbt die Erde sich bunt wie ein Kleid; ihre Gestalt tritt hervor, deutlich wie ein Siegelabdruck auf Ton.
Dann wird den Übeltätern das schützende Dunkel genommen, und ihr drohend erhobener Arm wird zerbrochen.
Bist du hinab zu den Quellen des Meeres gereist, hast du den Abgrund des Ozeans durchwandert?
Haben sich dir die Tore des Todes geöffnet, die den Eingang ins dunkle Land verschließen?
Hast du die Weiten der Erde überblickt? Sag es mir, wenn du das alles weißt!
«Willst du weiter mit mir streiten, mich, den Allmächtigen, immer noch tadeln? Du hast mich angeklagt, nun steh mir Rede und Antwort!»
Darauf antwortete Hiob nur:
«Herr, ich bin zu gering, ich kann dir nichts erwidern; darum lege ich jetzt die Hand auf den Mund.
Einmal habe ich geredet und dann noch einmal - aber ich will es nicht wieder tun; ich habe schon zuviel gesagt!»
Da antwortete Hiob:
«Herr, ich erkenne, daß du alles zu tun vermagst; nichts und niemand kann deinen Plan vereiteln.
Du hast gefragt: 'Wer bist du, daß du meine Weisheit anzweifelst mit Worten ohne Verstand?' Ja, es ist wahr: Ich habe von Dingen geredet, die ich nicht begreife, sie sind zu hoch für mich und übersteigen meinen Verstand.
Du hast gesagt: 'Hör mir zu, jetzt rede ich, ich will dich fragen, und du sollst mir antworten!'
Herr, ich kannte dich nur vom Hörensagen, jetzt aber habe ich dich mit eigenen Augen gesehen!
Darum widerrufe ich meine Worte, ich bereue in Staub und Asche!»
Der Herr segnete Hiob von jetzt an mehr als zuvor. Bald besaß er 14.000 Schafe und Ziegen, 6.000 Kamele, 1.000 Rindergespanne und 1.000 Esel.
Er bekam auch wieder sieben Söhne und drei Töchter.
Die erste nannte er Jemima («Täubchen»), die zweite Kezia («Zimtblüte») und die dritte Keren-Happuch («Schminkdöschen»).
Im ganzen Land gab es keine schöneren Frauen als Hiobs Töchter; sie durften mit ihren Brüdern das Erbe teilen.
Hiob lebte noch 140 Jahre, er sah Kinder und Enkel bis in die vierte Generation.
Schließlich starb er in hohem Alter nach einem reichen und erfüllten Leben.
2. Altes Testament
Psalm 10, Verse 1 – 18
Herr, warum bist du so weit weg? Warum läßt du uns im Dunkeln umherirren, wenn wir dich am nötigsten brauchen? Boshafte Menschen schrecken vor nichts zurück. Sie machen den Schwachen und Hilflosen das Leben zur Hölle. Laß sie in ihre eigene Falle laufen!
Diese Gauner sind auch noch stolz auf ihre habgierigen Wünsche. Geld geht ihnen über alles, und für Gott haben sie nichts übrig. Mit wüsten Sprüchen ziehen sie über ihn her.
Hochnäsig behaupten sie: «Gott? Den gibt es doch gar nicht! Was soll er uns denn heimzahlen?» - Was für ein Trugschluß!
Noch geht ihnen alles nach Wunsch. Daß du sie verurteilen wirst, läßt sie kalt. Sie verhöhnen alle, die sich ihnen in den Weg stellen, und spotten: «Euer Gott ist ja so weit weg!
Uns haut nichts um! Das hat noch keiner geschafft, und daran wird sich auch nichts ändern!»
Sobald sie den Mund aufmachen, fluchen, lügen und erpressen sie. Wieviel Unglück richten sie an!
In der Nähe einsamer Dörfer liegen sie im Hinterhalt und lauern ihren hilflosen Opfern auf. Im Versteck bringen sie die Unschuldigen um.
Wie Löwen im Dickicht liegen sie auf der Lauer, um wehrlose Menschen zu überfallen.
Sie stürzen sich auf ihre Opfer und schlagen sie brutal zusammen.
«Was wir tun, interessiert Gott gar nicht», reden sie sich ein, «außerdem hat er ein schlechtes Gedächtnis!»
Herr, greif doch ein! Laß dir das nicht bieten! Vergiß die Hilflosen nicht!
Warum läßt du es zu, daß solche Schurken deine Ehre in den Schmutz ziehen? Warum dürfen sie sich einbilden, daß du sie nie zur Rechenschaft ziehen wirst?
Nein! Du hast das Unrecht nicht vergessen! Du kümmerst dich um die Gequälten und wirst sie retten. Dir können sich alle anvertrauen, denen keiner mehr hilft.
Zerbrich die Macht der Übeltäter! Bestrafe sie für ihre Bosheit, damit sie nicht weiter Unheil anrichten!
Der Herr ist König für immer und ewig! Seine Feinde müssen aus Israel verschwinden.
Die Hilflosen bestürmen dich mit ihren Bitten. Du, Herr, erhörst sie und schenkst ihnen neuen Mut.
Du sorgst für das Recht der Unterdrückten und Waisen, jeder Gewaltherrschaft auf Erden machst du ein Ende.
3. Neues Testament
Johannes Kapitel 20,
Verse 19 – 29
An diesem Sonntagabend hatten sich alle Jünger versammelt. Aus Angst vor den Juden ließen sie die Türen fest verschlossen. Plötzlich war Jesus bei ihnen. Er trat in ihre Mitte und grüßte sie: «Friede sei mit euch!» Dann zeigte er ihnen die Wunden in seinen Händen und an seiner Seite. Als die Jünger ihren Herrn sahen, freuten sie sich sehr.
Und Jesus sagte noch einmal: «Friede sei mit euch! Wie mich der Vater in diese Welt gesandt hat, so sende ich euch in die Welt!»
Dann hauchte er sie an und sprach: «Empfangt den Heiligen Geist!
Wem ihr die Sünde erlaßt, dem ist sie erlassen. Und wem ihr die Schuld nicht vergebt, der bleibt schuldig.»
Thomas, einer der zwölf Jünger, der auch Zwilling genannt wurde, war nicht dabeigewesen, als dies geschah.
Deshalb erzählten sie ihm: «Wir haben den Herrn gesehen!» Aber zweifelnd antwortete er: «Das glaube ich erst, wenn ich seine durchbohrten Hände gesehen habe. Mit meinen Fingern will ich sie fühlen, und meine Hand will ich in die Wunde an seiner Seite legen. Eher werde ich es nicht glauben.»
Acht Tage später hatten sich die Jünger wieder versammelt. Diesmal war Thomas bei ihnen. Und obwohl sie die Türen wieder abgeschlossen hatten, stand Jesus auf einmal in ihrer Mitte und grüßte sie: «Friede sei mit euch!»
Dann wandte er sich an Thomas: «Lege deinen Finger auf meine durchbohrten Hände! Gib mir deine Hand und lege sie in die Wunde an meiner Seite! Zweifle nicht länger, sondern glaube!»
Thomas antwortete nur: «Mein Herr und mein Gott!»
Doch Jesus sagte zu ihm: «Du glaubst, weil du mich gesehen hast. Wie glücklich können erst die sein, die nicht sehen und trotzdem glauben.»

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