Gott auf die Probe stellen

Ich wurde im Dezember 1959 geboren. Die ersten Jahre meines Lebens liefen recht harmonisch ab, da ich zuerst bei meinen Großeltern aufwuchs. Dann mieteten meine Eltern ihre erste eigene Wohnung. In den nächsten Jahren bekam ich noch fünf Geschwister. Um den Lebensstandard zu behalten mußte mein Vater immer mehr arbeiten – trotzdem wuchsen unsere Schulden. Er hatte Wechselschicht und arbeitete auch noch nebenbei. Meine Mutter wurde mit den Problemen des Alltags nicht mehr fertig und suchte die Flucht im Alkohol. Die Konsequenz daraus war, daß ich als Ältester den Haushalt führen und meine Geschwister versorgen mußte. Kochen, waschen und bügeln bestimmten meine Kindheit. Hilfe bekam ich nur von meinen Großeltern. Dort konnte ich auch mal von meinen Problemen abschalten.
Nach dreiundzwanzig Jahren Ehe ließen sich meine Eltern scheiden. Kurz vorher hatte ich mein Elternhaus verlassen um in Ruhe ohne Streit, Haß und Alkohol zu leben.
Ich hatte den festen Vorsatz niemals zu heiraten, bis ich meine jetzige Frau und ihre Familie kennenlernte. Ich wußte nicht, daß meine Freundin und ihre Eltern in die Kirche gingen.
Bis dahin hatte ich mit Gott nichts zu tun, außer daß ich in der Ausbildungszeit zu Gott wegen meines Ausbilders betete. Und nun wurde ich mit Gott konfrontiert. Aber ich ließ mich nicht beeindrucken von all dem mit Gott und Jesus.
1981 habe ich dann geheiratet. Ich wurde nicht zum Glauben an Gott gedrängt, weder durch meine Frau noch durch die Schwiegereltern. Meine Frau ging jeden Sonntag zur Kirche, ich blieb lieber im Bett liegen.
Irgendwann probierte ich es mit dem Glauben und dem Beten zu Gott. Aber ich habe Gott nicht richtig verstanden. In der Kirchengemeinde versuchten mich natürlich alle zu überzeugen.
Im Laufe unserer Ehe bekamen wir zwei Mädchen. Meine Beziehung zu Gott hatte sich bis dahin immer noch nicht verändert. Unsere jüngste Tochter kam mit einem Herzfehler zur Welt. Die Ärzte sagten uns, daß sie mit spätestens fünfzehn Jahren operiert werden müßte. Alle 3 Monate mußten wir mit ihr zur Klinik und sie war in dieser Zeit auch viel krank, so daß wir ständig beim Arzt saßen.
Dies war für mich die Gelegenheit, Gott auf die Probe zu stellen. Ich begann zu beten: Gott, wenn es dich wirklich gibt, dann mach unser Kind gesund. Nach etwa zwei Jahren konnten die Ärzte keinen Herzfehler mehr feststellen. Sie war tatsächlich gesund!
Nun bin ich seit sechzehn Jahren gläubig. Bis heute verstehe ich viele Dinge nicht und weiß oft nicht, was Gott wieder mit mir oder meiner Familie vorhat. Trotzdem glaube ich, daß alles in seiner Hand ist.
Leider konnte ich weder meinen Eltern noch meinen Geschwistern klarmachen, warum ich glaube.
Mittlerweile habe ich meine Mutter und einen meiner Brüder durch den Alkohol verloren.
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