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Harald Neugebauer
55 Jahre alt
arbeitslos
(verstorben am 10. November 2002)

Früher oft gehänselt

 

Eigentlich sollte aus mir etwas ganz anderes werden. Bloß ist mein Leben anders verlaufen als ich und viele andere es gedacht hatten. Mein Vater war verhaßt mit jeglicher Religion. Er trat auch aus der Kirche aus. Ihm ist erst bewusst geworden, was das bedeutete, als er starb.

Mir ging es ein paar Jahre sehr schlecht, als ich im Heim unter Alkoholikern leben musste. Als ich vor wenigen Jahren ziellos durch Essen ging, traf ich eine junge Frau, mit der ich im Krankenhaus gelegen hatte. Sie fragte mich, wie es mir ginge. Ich erzählte ihr von meinem Unheil. Darauf zückte sie ihr Portemonnaie und gab mir 10 DM. Sie sagte: „Kauf dir was zu essen.“ Sie lud mich zu einer Tasse Kaffee ein. Schon vorher im Krankenhaus fragte sie mich, ob ich an Jesus glaube. Ich wich ihr dort aus. Als wir an der Bude Kaffee getrunken hatten, fragte sie mich, ob ich mal Lust hätte, zum Gottesdienst in ihre Kirche zu kommen. Ich sagte zu und vergewisserte mich, dass sie auch da sein würde. Am Sonntag darauf fuhr ich nach Mülheim zum Gottesdienst. Ich kannte dies alles nicht, weil es das alles früher in meiner christlichen Tradition nicht gegeben hatte: Da waren die Lobpreislieder, die Gebete, in denen man den lieben Gott als Vater und Jesus, den Sohn, preisen konnte. Danach hielt der Pastor die Predigt, und diese gefiel mir außerordentlich.

Heute ist es so, dass ich jeden Sonntag in diese Kirche gehe und mittwochs noch zum Bibelseminar. Heute verläuft mein Leben etwas anders, da ich mit Gottes Hilfe und durch Vermittlung meines Pastors in Mülheim an der Ruhr eine Wohnung gefunden habe.

Früher, als Kind, bin ich oft gehänselt worden. Das tat mir weh. Dazu im Gegensatz heute fühle ich mich in der Gemeinde wohl, weil ich da als Christ, als Mensch und als Freund akzeptiert werde. Im vergangenen Jahr bin ich getauft worden. Ein Leben ohne meinen Glauben an Jesus kann ich mir nicht mehr vorstellen.

 

 

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