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|  Helga Wieschermann
66 Jahre
gelernte Krankenschwester
ab 1977 Pflegedienstleitung in städtischen Alteneinrichtungen in Düsseldorf und Mülheim
seit 1995 Rentnerin
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| Seelsorge und Gebet

Ich gehöre zu den Menschen, deren Kindheit von der Nazizeit und dem Krieg geprägt wurden. Ich hatte gute und verständnisvolle Eltern. Sie konnten zuhören und hatten große Geduld mit meinem kindlichen Trotz.
In der Schule gab es keinen Religionsunterricht und in der Jungschar lernten wir, dass Gott in der Natur ist und wir keine Kirchen brauchen.
Ich wurde älter, wollte immer richtig handeln und gut sein, aber es gelang mir nicht. Als Teenie hatte ich viele Ängste und habe auch meinen Eltern viele Dinge verschwiegen. Oft meinte ich, alle Menschen gegen mich zu haben. Ich habe viel gelogen, oft ohne erkennbaren Grund.
Die Menschen, die behaupteten Christen zu sein, habe ich sehr kritisch beobachtet. Was sie erzählten, war für mich nicht nachvollziehbar.
Durch zwei junge Männer kam ich in eine evangelische Freikirche. Dort sang und musizierte ein etwa dreißig Personen zählender Chor. Gebannt hörte ich zu und wünschte mir, auch so singen und spielen zu können.
Nach dem Gottesdienst sprach mich ein Mädchen an. Wir befreundeten uns. Sie erzählte aus ihrem Leben, daß sie erlebt hätte, daß Gott Gebete erhört und von Ängsten befreit und wie Jesus ihr immer wieder half. Das alles hatte keinen frommen Anstrich, sondern war so natürlich und glaubhaft. Wir haben auch viel gelacht. Dann kam der Augenblick, wo ich sie fragte: " Warum erlebe ich das nicht? " Ihre Antwort: „Möchtest du das? "
Ja, ich wollte, eigentlich wollte ich so sein wie sie war. Sie erzählte mir von der Lebensübergabe an Gott und von dem Frieden und der Freude, die durch Vergebung meiner Schuld in mein Herz kommen würden. Wir sprachen über Sünden im ganz alltäglichen Leben, über Schuld, die sich anhäuft und zu einer schweren Last wird, die Menschen mürrisch, zänkisch und krank macht. „Wir können das Schöne und Gute nicht mehr sehen, weil uns diese Last nach unten zieht und uns nur negative Dinge vor Augen hält. Wir können vielleicht noch lachen; aber dieses Lachen ist kalt und kommt nicht aus dem Herzen, " sagte sie mir. Das stimmte in meinem Leben.
Mein Entschluß stand fest: Ich suchte einen Seelsorger auf und erzählte ihm alles, was mir an Verfehlungen bewusst war. Er betete mit mir und sprach mir Vergebung zu. Ich war voller Freude. Das, was ich bezweifelt hatte, war geschehen. Immer, wenn mir etwas aus der Vergangenheit einfiel, bekannte ich es einem Seelsorger oder meiner jungen Freundin, und wir beteten zusammen. Dann zeigte Jesus mir Dinge, wo ich Menschen mit meinen Worten verletzt hatte, wo ich negativ über sie gesprochen oder nicht die Wahrheit gesagt hatte. Ich war traurig, aber zuerst nicht bereit, diese Sache zu bereinigen. Endlich sprach ich dennoch mit einem Seelsorger darüber, und wir beteten, dass Jesus mir den Mut schenken sollte, mich bei Menschen zu entschuldigen. Beim Verabschieden sagte der Seelsorger: " Helga, Jesus geht mit dir zu den Menschen, zu jedem, ER ist für dich einen viel schwereren Weg gegangen. "
Beim Erledigen dieser Dinge habe ich so viel Freude erfahren und viele gute Gespräche gehabt. Eine Freundin wollte mir nicht vergeben. Für sie habe ich mehrere Jahre gebetet, und heute reden wir wieder miteinander und sie erzählt von ihren Nöten.
Auch heute lebe ich nicht ohne Schuld. Jeden Abend bedenke ich den Tag und meine Handlungen und Worte. Wo es nötig ist, entschuldige ich mich. Ich darf schreiben, dass ich in Hektik und Streit um mich her in meinem Herzen Frieden habe und ein tiefes Vertrauen, dass Jesus bei mir und mein Leben in SEINER Hand ist.
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